Mettlach (Saar)

Stempel die zweifelsfrei zum Schaden der Sammler verwendet wurden
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Solltet ihr im Internet oder an anderer Stelle auf einen zweifelhaften Stempel treffen, meldet eure Entdeckung per Mail und aussagekräftigen Bildern an redaktion@bund-forum.de. Sofern sich euer Verdacht bestätigen sollte, wird unsere Redaktion an dieser Stelle eine Warnmeldung veröffentlichen.

Mettlach (Saar)

Beitragvon Redaktion » Mittwoch 11. Februar 2015, 23:43

Bei diesem Falschstempel handelt es sich um einen nachverwendeten Poststempel. Die Abdrücke finden sich vorzugsweise auf den gestempelt gesuchten Werten des Ausgabegebietes "Saarland". Der abgebildete Block, den wir bei Ebay gefunden haben, zeigt ein Beispiel von vielen.

Mettlach falsch.JPG


Vor dem ungeprüften Erwerb von Marken mit diesem Abdruck muss daher gewarnt werden.
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Re: Mettlach (Saar)

Beitragvon Redaktion » Donnerstag 12. Februar 2015, 23:12

Unsere Nachfrage bei dem zuständigen BPP Prüfer Herrn Christan Geigle zu dem abgebildeten Stempel "Mettlach (Saar)" wurde von diesem heute wie folgt beantwortet:

"Es gibt die Stempel METTLACH mit den Kennbuchstaben a und b. Beide gab es schon im Saargebiet und im Dritten Reich. Nach dem Krieg wurden die Sterne aus dem linken Teil des Unterbogens entfernt, sie heißen jetzt "METTLACH - (SAAR) a" und "METTLACH - (SAAR) b".

Von beiden Stempeln gibt es auch Ganzfälschungen, wie bei fast allen häufigen Saarland-Stempeln. Diese sind aber meist weniger gut bis schlecht hergestellt und für einen Prüfer leicht zu identifizieren. Ich kennzeichne diese Falschstempel mit "Stempel falsch".

Der im Forum gezeigte METTLACH a ist ein echter Poststempel, der aber im gezeigten Fall nachweislich rückdatiert verwendet wurde. Eine solche nachweislich mißbräuchliche Verwendung hat die Kennzeichnung "Stempel falsch" zur Folge. Die Erkennungsmerkmale sind "Prüferwissen" und bleiben es auch, denn sonst würden sie zu "Täterwissen", und daran kann niemand gelegen sein.

Nicht immer läßt sich die Rückdatierung "wasserdicht" nachweisen, so dass der Prüfer das Stück nur ablehnt und auf eine "Stempel falsch"-Kennzeichnung verzichtet (Steckzettel "Ich halte den Stempel für rückdatiert" o. ä.). Zu schwierig wäre es, einem Richter in einem eventuellen Zivilverfahren zu erklären, warum man als Prüfer einen Stempel für rückdatiert hält und durch die Kennzeichnung nahezu wertlos macht. Aus einem abgelehnten, aber nicht gekennzeichneten Stück läßt sich niemals ein zivilrechtlicher Schadenersatzanspruch herleiten, außer der Prüfer hätte vorsätzlich falsch gehandelt.

Damit keine Missverständnisse bei der Leserschaft aufkommen: Die Ablehnung eines Prüfstückes ist für den Prüfer die unrentabelste Art der Prüfung. Er kann eine Prüfvergütung von maximal 3,00 Euro pro Stück ansetzen. Bei einer "Stempel falsch"-Kennzeichnung erhält der Prüfer bis zu 1 % vom Katalogwert eines echt gestempelten Stückes, für ein tatsächlich echt und zeitgerecht gestempeltes Stück 3 % des Katalogwertes (in Ihrem Beispiel mit Saarland Block 1 sind das 34,00 bzw. 102,00 Euro).

Einem Prüfer zu unterstellen, er prüfe mutwillig Marken schlecht, geht deshalb ins Leere: der Prüfer beschädigt damit sein eigenes Portemonnaie. Der Umkehrschluß ist da schon naheliegender, in der Saar gerade mit Blick auf die Mengen an falsch attestierten gestempelten Urdrucksätzen, die für einen hohen sechsstelligen Betrag unerkannt in den Sammlungen liegen. Der Nachweis, ein Prüfer sei von Geldgier getrieben, ist regelmäßig schwierig, auch wenn es immer wieder einmal von dritter, meist nicht sonderlich informierter Seite behauptet wird. Deshalb ist die Prüfung von Briefmarken nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch des Charakters. Gerade hier hat der BPP in den vergangenen Jahren sehr strenge Vorgaben in seinem Regelwerk gemacht, die letztlich allen Beteiligten zugute kommen und den guten Ruf des Prüfwesens in Deutschland zu schützen helfen.

Aber noch einmal zurück auf das Postamt in METTLACH:

Wer war dort der Händler, wer der stempelnde Postbeamte? Nun, die Frage haben die Altvorderen so beantwortet: Der schon lange verstorbene große Saar-Händler Paulus saß in METLACH. Es gibt viel Korrespondenz von ihm und an ihn. Auf der Post arbeitete (sic!) sein Bruder! Das erklärt das häufige Vorkommen der Rückdatierungen von METTLACH a und b, die am 11.6.55 bzw. 19.7.58 aus dem Schalterdienst genommen wurden, fast zehn Jahre nach Erscheinen des Hochwasserblockpaares. Da hatten die Gebrüder viel Zeit für "Heimarbeit".

Leider haben frühere Prüfer des Saarlandes bei der Differenzierung in "zeitgerecht" und "rückdatiert = falsch gestempelt" nicht immer richtig gelegen. Es kursieren viele teure Stücke mit unzutreffenden Prüfungen, Attesten und Befunden. Sicherheit kann nur eine Prüfung auf der Basis der derzeitigen Forschung geben. Es wird noch viele Jahre dauern, bis alle Fehlprüfungen aus dem Verkehr gezogen sind.
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