Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatur

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Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatur

Beitragvon Tortenwerfer » Sonntag 15. Oktober 2017, 12:24

Dass man mit Briefmarken durchaus richtig Geld verdienen kann, beweist einmal mehr die Entwicklung im dunklen Markt der professionellen Portobetrüger. Ich habe die vergangenen Wochen in dieser Szene mal etwas intensiver recherchiert und möchte euch an den Ergebnissen gerne teilhaben lassen.

Das Geschäftsmodell:

Im regulären Postverkehr ungestempelt gebliebene Marken werden abgelöst, aufgearbeitet und neuerlich als "ungestempelt" angeboten. Zu meinem Entsetzen durfte ich feststellen, dass clevere Portobetrüger mittlerweile in der Lage sind, die Tintenstrahlentwertung von den Marken zu entfernen, ohne die Marke dabei zu zerstören.

Das Material hierfür wird von dutzenden Vorlieferanten zur Verfügung gestellt:
http://www.ebay.de/itm/400x-Alte-Buchen ... 0005.m1851
http://www.ebay.de/itm/400-Marken-145-A ... fresh=true
http://www.ebay.de/itm/BRD-Briefmarken- ... 0005.m1851

Aufgearbeitet sieht das dann so aus:
http://www.ebay.de/itm/200-x-1-45-unges ... Ciid%253A1
http://www.ebay.de/itm/1000x1-45-leicht ... Ciid%253A1

Das Bewertungsprofil des russischen Anbieters verrät zwei Dinge:
1. Der Umsatz mit diesen entstempelten Marken ist immens. Allein dieser Account, von denen ich mehrere dutzend identifizieren konnte, hat bisher über 150.000,00 EUR umgesetzt.
2. Die Negativbewertungen des Anbieters verraten nochmals das betrügerische Geschäftsmodell
https://feedback.ebay.de/ws/eBayISAPI.d ... gative_365

Bewertung.jpg
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Die Akteure:
Während in der Vergangenheit der Handel mit manipulierter Frankatur eher dezentral mit vielen unterschiedlichen Akteuren aufgestellt war und sich selbst Auktionshäuser wie Schwanke oder APHV-Händler an diesem schmutzigen Geschäftsmodell beteiligt haben, befindet sich dieses mittlerweile weit überwiegend in der Hand der russischen Mafia.

Nur beispielhaft
Mailadresse.jpg
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Meine Kontakte zu einigen Anbietern deutet auf eine zentrale Organisation hin, die offensichtlich den Gesamtprozess vom Einkauf Tintenstrahl entwerteter Marken, dem Entfernen der Stempel, der Aufbereitung und dem Verkauf über diverse Internetportale steuert und koordiniert.
Bei den Personen hinter den Ebayaccounts handelt es sich um mehr oder minder einfältige Strohmänner, denen man erzählt hat, sie würden nichts illegales tun und der Hinweis in der Auktion

"Die Marken werden ausdrücklich als Sammlerobjekt angeboten. Eine Wiederverwendung ist laut AGB der Deutsche Post AG nicht gestattet"

würde sie vor Strafe schützen

Die Geschädigten:
Primär geschädigt wird durch diese Machenschaften natürlich erst einmal die DPAG. Offensichtlich scheint man sich in der Konzernzentrale jedoch nicht um diese Betrügereien und den damit entstehenden Schaden kümmern zu wollen. Mein telefonischer Kontakt mit der Pressestelle wurde nach kurzem Gespräch mit dem Hinweis "Vorgänge sind uns bekannt" abgewürgt.
Man darf also erwarten, ob die DPAG ihre diesbezüglichen Umsatzverluste wieder einmal an den "kleinen Mann" weitergibt. Es ist wohl einiges leichter das Porto zu erhöhen, statt sich um die kriminellen Betrügereien zu kümmern.
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatu

Beitragvon Oberndörfer » Sonntag 15. Oktober 2017, 17:58

@Torti
Daß man die Entwertungen per Tintenstrahlstempel von den Marken wieder rückstandsfrei entfernen kann, habe ich gerüchteweise auch schon gehört. Was du uns hier aufzeigst, sprengt allerdings meine finstersten Vermutungen. Für die Übeltäter ist das natürlich ein sehr lukratives Businessmodell. Leichter kann man sein Geld nicht verdienen. Daß der Post das alles egal ist, mag ich allerdings kaum glauben. Eine bessere dh. nicht entfernbare Stempelfarbe für die Tintenstrahlentwertungen kann so viel doch nicht kosten!? :shock:
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatu

Beitragvon MarkusZech » Montag 16. Oktober 2017, 11:58

Das Problem ist eigentlich nicht neu, wird allerdings gefühlt immer größer. Man kann das gut im tagtäglichen Postverkehr beobachten, dass die Anzahl bereits schon einmal verwendeter Briefmarken stetig zunimmt. Neu ist dagegen, dass der Deutschen Post diese Machenschaften offensichtlich egal sind. Verstehen tue ich diese Haltung allerdings nicht.
Es ist mir shiceegal, wer dein Vater ist. Solange ich hier angle, wird nicht übers Wasser gelaufen.
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatu

Beitragvon Redaktion » Montag 16. Oktober 2017, 16:33

Wir haben uns dieses Themas bereits 2014 angenommen und über den Verkauf bereits gelaufener Marken über ein Auktionshaus berichtet.

viewtopic.php?f=658&t=17437

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die Antwort der Pressestelle der DPAG verweisen, der wir dieses betrügerische Geschäftsmodell damals zur Kenntnis gebracht haben.

Alexander Edenhofer, DPAG Pressesprecher hat geschrieben:Sehr geehrter Herr xxx,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihre Hinweise.

Das Thema „Wiederverwendung von bereits genutzten Briefmarken“ ist uns bekannt. Die Deutsche Post arbeitet deshalb ständig daran, die betrieblichen und technischen Maßnahmen zur Entwertung der Briefmarken zu optimieren.

Eine Wiederverwendung von Briefmarken kann je nach Sachlage für den Verwender, aber auch für dessen Lieferanten zivil- und strafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Wir beobachten derartige Fallkonstellationen sehr genau und treffen dann individuelle Maßnahmen.

Wir werden Ihre Hinweise ebenso detailliert überprüfen und die aus unserer Sicht notwendigen Schritte einleiten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Einzelheiten zu derartigen Maßnahmen als Unternehmensgeheimnis behandeln und daher nicht kommunizieren. Wir möchten damit auch verhindern, dass sich Detailinformationen hierzu verbreiten und damit kriminellen Elementen ermöglicht wird, weitere Geschäfte dieser Art zu betreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Edenhofer
Pressesprecher



Das Thema ist bei der DPAG also durchaus gesetzt. Über die Effektivität der bisherigen Maßnahmen muss aber sicher nochmal gesprochen werden.
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatu

Beitragvon thomas » Mittwoch 18. Oktober 2017, 17:46

Redaktion hat geschrieben:Das Thema ist bei der DPAG also durchaus gesetzt. Über die Effektivität der bisherigen Maßnahmen muss aber sicher nochmal gesprochen werden.


Ich habe ein recht hohes Postaufkommen und erhalte daher häufig Sendungen mit ungestempelt gebliebenen oder nur teilweise entwerteten Frankaturen. Als ich vor einiger Zeit meinen Postboten darauf angesprochen habe, ob er ungestempelt gebliebene Marken nicht zumindest mit einem Kugelschreiber entwerten möchte, erwiderte dieser zu meiner Überraschung "nein, das kostet mich zuviel Zeit" :o

Ich sammle die ungebrauchte Frankatur mittlerweile in einer Kiste und spende diese, wenn sie voll ist, gerne an eine Jugendgruppe oder einen Sammlerverein. Bitte mir einfach ein PN schicken.
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatu

Beitragvon th1975 » Donnerstag 19. Oktober 2017, 10:38

Redaktion hat geschrieben:Das Thema ist bei der DPAG also durchaus gesetzt. Über die Effektivität der bisherigen Maßnahmen muss aber sicher nochmal gesprochen werden.


Ich teile diese Aussage überhaupt nicht. Wenn man sieht welche Massen an Marken im alltäglichen Postverkehr ungestempelt durchrutschen, kann von "Maßnahmen" und deren "Effektivität" überhaupt keine Rede sein. Und dass das Thema bei der Post "gesetzt" ist, bezweifle ich vollkommen. Wenn man es als ehemaliger Staatsbetrieb noch nicht mal schafft entfernungsresistente Stempelfarbe zu verwenden, ist das hart am Offenbarungseid.
Das Ganze ist denen gefühlt so was von scheißegal. Ich habe auch noch nie irgendwo gelesen, dass man einem Portobetrüger an die Karre gefahren wäre. Statt sich mit diesen Gangstern anzulegen, ist es für die Post viel leichter einfach das Porto zu erhöhen. Das macht auch bei den Anlegern einen besseren Eindruck.

Ich habe mich bei Ebay auch mal umgesehen und kann die Feststellungen von Tortenwerfer eigentlich nur bestätigen. Das Business ist millionenschwer und befindet sich komplett außerhalb des Radars von Finanz- und Strafverfolgungsbehörden, was für halbseidene Betrüger natürlich hochgradig attraktiv ist. Es ist daher nur folgerichtig, dass sich an diesem Fleischtopf auch mafiöse Organisationen einfinden.
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Re: Russenmafia übernimmt Handel mit manipulierter Frankatur

Beitragvon TeeKay » Dienstag 28. November 2017, 23:00

Tortenwerfer hat geschrieben:Die Geschädigten:
Primär geschädigt wird durch diese Machenschaften natürlich erst einmal die DPAG.

Wenn im großen Stil "Frankaturware" für weniger als 32% Nominale verkauft wird, dann sind auch Gewerbetreibende geschädigt, die ihre Briefe ehrlich frankieren. Gerade bei eBay gibts diverse Artikel, bei denen Versandkosten den größten Kostenblock (neben der eigenen Arbeitszeit) ausmachen und Gewinn nur über schiere Masse zu machen ist. Ich selbst hab z.B. Artikel für 4,50-5 Euro im Angebot.

72 Cent gehen an den Staat
45 Cent gehen an eBay
30 Cent kostet die Versandtasche
145 Cent kostet die Briefmarke
44 Cent gehen an Paypal, wenn es genutzt wird
100 Cent kostet die Ware im Einkauf

64 Cent sind meine Marge. Wenn die Konkurrenz ihre Marge durch die Nutzung dieser Quasi-Fälschungen mal eben von 64 auf 164 Cent erhöhen kann, ist das ein massiver Wettbewerbsnachteil. Die Konkurrenz könnte mich um 65 Cent unterbieten, also in die Verlustzone treiben, und immer noch Gewinn machen.
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