BDPH verweigert WPHV Leserbrief in der "philatelie"

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BDPH verweigert WPHV Leserbrief in der "philatelie"

Beitragvon Redaktion » Freitag 29. Juli 2016, 14:17

Wer meint, der BDPH-Vorturner Uwe Decker sei das einzige Vorstandsmitglied, dass in der organisierten Philatelie zum Schaden der Sammlerschaft Amok läuft, sei angesichts der folgenden Zeilen eines Besseren belehrt.

Im Editorial der letzten "philatelie" (07/2016) referierte BDPh-Vize Alfred Schmidt über die vom WPHV initiierte Diskussion zur Reformierung der Direktmitgliedschaften. Dabei offenbarte er einen derart verqueren Blick auf die Dinge, dass sich der WPHV zur einer Klarstellung in der "philatelie" genötigt sah. Da der BDPH diese Klarstellung in der "philatelie" ablehnte, veröffentlichen wir den Leserbrief des WPHV an dieser Stelle ohne weitere Kommentierung.
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Im Editorial der „philatelie“ 07/2016 schreibt BDPh-Vize-Präsident Alfred Schmidt , dass „kontrovers diskutiert“ wird über die BDPh-Direktmitgliedschaften und dass ein „Verein aus dem Südwesten“ „kompromisslos“ und „starrhalsig“ deren Abschaffung fordern würde, weil die Direktmitgliedschaften den Ortsvereinen „Beiträge entziehen würden“ (!). Ein „normales Verbandsmitglied“ könne, so Schmidt, den „Sturm im Wasserglas“ gar nicht verstehen.

Der Württembergische Philatelistenverein Stuttgart 1882 e.V. (WPhV) ist Initiator dieser „von wenig Sachlichkeit getragenen Diskussion“ und als dessen Erster Vorsitzender möchte ich zu diesem Editorial, in welchem das WPhV-Anliegen leider nicht sachgerecht vorgestellt wurde, Stellung beziehen:

Zunächst einmal die drei zentralen Fakten zu diesen Diskussionen:

1)
Der Landesverband Südwest (LV Südwest), bei dem der WPhV und die anderen BDPh-Ortsvereine im Südwesten Mitglied sind, leidet wie alle anderen Landesverbände unter einem horrenden Mitgliederschwund: Im Jahr 1996, als die Einzel-Direktmitgliedschaften eingeführt wurden, zählte der LV Südwest 14.736 Mitglieder. Bis zum Jahr 2015 sank diese Mitgliederzahl auf 6.894 und in der offiziellen Prognose des LV Südwest wird im Jahr 2018 mit nur noch 5.700 Mitgliedern gerechnet.

2)
Als 1996 nach hartem Ringen die Einzel-Direktmitgliedschaften eingeführt wur¬den, zahlten die Direktmitglieder mit 60 DM den fünffachen BDPh-Beitrag eines Ortsvereinsmitglieds (12 DM). Nur durch die hohe Bepreisung mit dem Faktor 5 konnte damals der BDPh die Ortsvereine überzeugen, dass die Direktmitgliedschaften keine Konkurrenz bei der Mitgliedergewinnung für sie wären, und so den Beschluss zur Einführung erwirken. Über die Jahre wurde jedoch dieser Faktor 5 immer mehr aufgeweicht. So wird der BDPh-Beitrag eines Einzel- Direktmitglieds ab 2017 mit 42 Euro nur noch 2,8mal so teuer sein wie der eines Ortsvereinsmit¬glieds (15 Euro). Seitens des BDPh war auf der BDPh-Hauptversammlung 2015 ein BDPh-Beitrag von sogar 18 Euro für die Ortsvereinsmitglieder vorgesehen. Da jedoch ein Ortsvereinsmitglied zudem auch noch Beiträge an den Landesverband und an den Ortsverein selbst (für die eigentliche Ortsvereinsarbeit (z.B. Kataloganschaffung)) bezahlen muss, ist die Ortsvereinsmitgliedschaft inzwischen preislich quasi genauso teuer geworden wie eine Einzel-Direktmitgliedschaft. Eine preisliche Wettbewerbsfähigkeit , wie sie bei Einführung der Direktmitgliedschaften im Jahr 1996 den Ortsvereinen versprochen wurde, ist nicht mehr gegeben. So müsste im Sinne der Entscheider von 1996 ab 2017 eine Einzel-Direktmitgliedschaft nicht 42 Euro, sondern 75 Euro (Faktor 5) kosten.

3)
Bis zum Jahr 2014 gab es für Mitglieder in BDPh-Argen zwei Möglichkeiten, ihre BDPh-Beitragspflicht zu erfüllen: Entweder über einen Ortsverein oder über eine Einzel-Direktmitgliedschaft. Im Jahr 2015 hat der BDPh die sogenannten Arge-Direktmitgliedschaften eingeführt. Diese kosten ab 2017 nur 15 Euro und damit genauso viel wie der BDPh-Beitrag eines Ortsvereinsmitglieds. Die Einführung dieser Arge-Direktmitgliedschaft hätte jedoch nach BDPh-Satzung einen Beschluss auf der BDPh-Hauptversammlung 2015 erfordert. Da dies jedoch nicht gemacht wurde, ist die Einführung dieser Arge-Direktmitgliedschaft satzungswidrig.

Dies sind ganz nüchtern die zentralen Fakten.

Wenn die BDPh-Direktmitgliedschaften nicht ortsvereinsverträglich reformiert werden, werden sich die meisten Ortsvereine in den nächsten 10 Jahren auflösen, da es für sie noch schwieriger wird, in einem schrumpfenden Markt und dazu noch im Wettbewerb mit den Direktmitgliedschaften, die vom BDPh offensiv vermarktet werden (Homepage, Werbe-Aktionen bei der Deutschen Post AG usw.), neue Mitglieder zu gewinnen.

Der WPhV ist jedoch der Meinung, dass die Ortsvereine grundsätzlich sinnvolle reale philatelistische „face-to-face“ Infrastrukturen für die Philatelisten-Gemeinschaft und auch für Jedermann sind, die besonders schützenswert sind und dass die Ortsvereine daher auch das Recht haben, von ihren Interessensverbänden -ob Landes- oder Bundesverband- die Bereitstellung qualifizierter Rahmenbedingungen zu fordern, die sie sichern und stärken. Wo gibt es denn einen übergeordneten Interessensverband für Vereine, der – wie der BDPh - auch natürlichen Personen Direktmitgliedschaften anbietet?

Wenn Ortsvereine sich auflösen müssen, dann nicht, weil die Kasse nicht mehr stimmt, sondern weil es keine Köpfe für die Vorstandsarbeit mehr gibt. Der BDPh müsste eigentlich als Interessensverband die Ortsvereine bei ihrer Mitgliedergewinnung ohne Wenn und Aber voll unterstützen, damit sie sich über neue Mitglieder ertüchtigen können und so weiterhin zur Zukunft unseres Hobby beitragen können. Da jedoch der BDPh aber –so Schmidt- als „moderner Verband“ eine „Vielzahl von ergänzenden Mitgliedsformen“ (!) anbieten will, „schon deshalb, um zukunftsfähig zu bleiben“, bedeutet dies aus Sicht des WPhV nichts anderes, dass die Ortsvereine dem von Individualisierung, Cocooning und Egoismen geprägten Zeitgeist geopfert und aus ihrer Konkursmasse Direktmitgliedschaften gewonnen werden sollen. Der BDPh führt so als „moderner Verband“ den Gemeinschaftsgedanken eines Vereins und eines Verbands ad absurdum und beschleunigt den Niedergang unseres Hobby, indem er indirekt dazu beiträgt, dass die Face-to-Face-Philatelie vor Ort langsam aber sicher verschwindet.

Der WPhV fordert daher eine ortsvereinsverträgliche Reform der BDPh-Direktmitgliedschaften, da durch diese ein massiver und für Ortsvereine zunehmend existenzbedrohender Mitgliederklau betrieben wird:

So gibt es heute bereits rund 3.000 Einzel-Direktmitglieder und seit 2015 lösen die meisten neuen Arge-Mitglieder ihre BDPh-Beitragspflicht kostengünstig über eine Arge-Direktmitgliedschaft, wie dem WPhV bereits von einzelnen Argen berichtet wurde: Die Ortsvereinsmitgliedschaft als bislang kostengünstigste Lösung für eine BDPh-Mitgliedschaft ist heute für die meisten neuen, bereits spezialisierten Arge-Mitglieder uninteressant, da sie zum einen i.d.R. nicht über einen Ortsverein, sondern über das Internet zur Arge stoßen und eine Ortsvereinsmitgliedschaft durch die Beiträge an den Landesverband und den Ortsverein viel teurer ist als eine Arge-Direktmitgliedschaft.

Dass der hauptsächlich von Ortsvereinen finanzierte BDPh sich nicht nur einer ortsvereinsverträglichen Reform der 1996 eingeführten Einzel-Direktmitgliedschaft verweigert, sondern darüber hinaus auch noch 2015 die Arge-Direktmitgliedschaft satzungswidrig eingeführt hat, zeugt von der tatsächlichen Wertschätzung, die bei ihm die Ortsvereine genießen.

Dr. Johannes Feifel
Erster Vorsitzender des WPhV
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Re: BDPH verweigert WPHV Leserbrief in der "philatelie"

Beitragvon th1975 » Samstag 30. Juli 2016, 11:41

Nun ja :roll: wer eine Zeitschrift oder Zeitung herausgibt, kann natürlich auch bestimmen, was darin geschrieben steht. Es wäre dennoch ein fairer Zug gewesen, auf den konfrontativen Artikel von Herrn Alfred Schmidt eine Antwort in Form eines Leserbriefes zuzulassen.

Irgendjemand hat hier in der Vergangenheit mal geschrieben, daß der BdPh die Deutungshoheit über das Geschehen nicht aus der Hand geben wird, solange es irgendwie geht. Man fühlt sich durch solche Ereignisse jetzt natürlich bestätigt. Schade, hier wurde eine Chance vergeben sich über bestehende Gräben hinweg auszutauschen.

th1975 (Thomas Schmitt)
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Re: BDPH verweigert WPHV Leserbrief in der "philatelie"

Beitragvon Dauerserienfreund » Sonntag 31. Juli 2016, 00:14

Auch wenn Rumpelstilzchen Feifel und sein WPhV den BDPH wohl ziemlich genervt haben, sollte das kein Grund dafür sein seitens des BDPH den Dialog in der Verbandszeitschrift zu verweigern. Ich stimme Thomas zu, dass hier eine Chance vertan wurde.

R.Feil
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