Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

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Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon Redaktion » Sonntag 14. Dezember 2014, 16:32

Wir haben das alle schon einmal erlebt. Man erhält einen Brief und stellt fest, dass die Deutsche Post AG mal wieder nicht in der Lage war die verklebten Briefmarken ordnungsgemäß zu entwerten. Was liegt also näher, als die nicht entwertete Marke noch einmal zu verwenden.

Für viele Zeitgenossen, stellt die Wiederverwertung dieser Marken nur ein "Kavaliersdelikt" dar; die Post ist irgendwie ja auch selbst Schuld, wenn sie nicht in der Lage ist die Marken so abzustempeln, dass sie nicht mehr wiederverwendet werden können, so zumindest die gängige Meinung.

Juristen bezeichnen so etwas als "Postbetrug", auch wenn es bei dem skizzierten Einzelfall natürlich keine Strafverfolgung gibt. Im "Worst-case" bemerkt die Post die "klebrige Schummelei" und zieht vom Empfänger das fällige Nachporto ein.

Anders sieht das bei der sogenannten "Portomafia" aus, für die die kommerzielle Wiederverwertung ungestempelt gebliebener Marken ein einträgliches Geschäftsmodell darstellt. Um zu verstehen, was wir mit dieser Formulierung meinen, lohnt sich ein Blick zu Ebay. Hier werden Tag für Tag viele tausend Euro mit ungestempelt gebliebenen Marken umgesetzt.

Exemplarisch haben wir mal fünf willkürliche Beispiele für derartige Angebote ausgewählt:

http://www.ebay.de/itm/Briefmarken-unge ... 3cedd0f299

http://www.ebay.de/itm/200x-1-45-Briefm ... 339a5db7b1

http://www.ebay.de/itm/200x-1-45-Briefm ... 339a5dba57

http://www.ebay.de/itm/200-Briefmarken- ... 339a5dc2f8

http://www.ebay.de/itm/BRD-Lot-70-Brief ... 5b095e77cc

Wenn Sie sich ein eigenes Bild machen wollen, klicken Sie in der Ebay-Suche auf "Briefmarken", klicken Sie dann auf "Gültige Frankaturware" und geben Sie dann den Suchbegriff "ohne Gummierung" oder "ohne Gummi" ein. Schnell wird Ihnen dann klar, dass wir hier nicht über mehrere Einzelfälle reden, sondern über organisierten Postbetrug im ganz großen Stil.

Die professionell organisierten Anbieter wissen übrigens ganz genau, was sie da tun. Nicht umsonst wird auf folgende Formulierung verwiesen, mit dem die mutmaßlichen Betrüger versuchen, sich aus juristischer Sicht zu exkulpieren:

Ich weise darauf hin, dass die Briefmarken nur zu Sammlerzwecken versteigert werden. Eine Wiederverwendung ist lt. ABG´s der Deutschen Post AG ausdrücklich nicht gestattet.

Dass es in der großen weiten Welt der Philateie keinen einzigen Briefmarkensammler gibt, der ungestempelt gebliebene Euronominale sammelt, sei hier nur der Vollständigkeit für die Leser erwähnt, die nicht selbst auch Briefmarkensammler sind. Natürlich ist diese Formulierung komplett sinnfrei.

Wie funktioniert dieses betrügerische Geschäftsmodell nun und woher stammen diese Massen an ungestempelt gebliebenen Briefmarken?

Eigentlich ganz einfach. In großen Unternehmen und Konzernen mit eigener Poststelle laufen jeden Tag zehntausende Belege mit Marken auf, von denen - nach unseren Stichproben - bis zu 15% ungestempelt bleiben. Mitarbeiter dieser Poststellen schnippeln die Marken aus und verkaufen sie für ca. 20-30% des Nennwertes an Mittelsmänner weiter, die die Marken aufbereiten und dann über diverse Ebay-Accounts an den Mann (oder die Frau) bringen. Der durchschnittliche Erlös beträgt bis zu 80% des Portowertes. Ein lohnendes Geschäft somit für alle Beteiligten, außer dem Finanzamt (natürlich führen Betrüger keine Steuern ab) und der DPAG, der diese Beträge als Umsatzerlöse flöten gehen.

Unseren Recherchen zufolge verfügt die DPAG zwar über eine bundesweite "Taskforce" die bemüht ist, diesen Betrügereien Herr zu werden. Offensichtlich scheinen hier jedoch Ziel und Mittel in einem schlechten Verhältnis zu stehen. Das Risiko als gewerbsmäßiger Portobetrüger verurteilt zu werden, ist derzeitig wohl noch sehr überschaubar.

Eigentlich könnte man diese Meldung an dieser Stelle beenden, wenn nicht ... ja wenn nicht einer unser Nutzer, uns auf einen in diesem Zusammenhang sehr fragwürdigen Sachverhalt hingewiesen hätte.

Schauen Sie sich dazu bitte die folgenden Screenshots an, die wir auf der Webseite der Schwanke GmbH aus Hamburg gemacht haben.

Schwanke1.jpg


Schwanke2.jpg


Es sieht fast so aus, als ob die Schwanke GmbH sich aus dem lukrativen Kuchen der "Portomafia" ein ordentliches Stück abschneiden möchte. Mit lt. Schwanke 4280,- EUR Nominalwert entsteht der DPAG durch diese beiden Auktionen ein unmittelbarer Schaden in genau dieser Höhe.

Man darf gespannt sein, ob und wie die Schwanke GmbH hierzu Stellung nimmt und ob sich die Deutsche Post AG und die Staatsanwaltschaft Hamburg für dieses Geschäftsmodell interessieren.

Möglicherweise handelt es sich ja auch um den Abverkauf der Überbleibsel einer in den Fluten der Nordsee untergegangenen Postagentur und alles ist nur falscher Alarm ;)

Wir werden hierzu auf jeden Fall weiter berichten.
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon Claus Petry » Montag 2. Februar 2015, 05:27

Redaktion hat geschrieben:Für viele Zeitgenossen, stellt die Wiederverwertung dieser Marken nur ein "Kavaliersdelikt" dar; die Post ist irgendwie ja auch selbst Schuld, wenn sie nicht in der Lage ist die Marken so abzustempeln, dass sie nicht mehr wiederverwendet werden können, so zumindest die gängige Meinung.

Juristen bezeichnen so etwas als "Postbetrug", auch wenn es bei dem skizzierten Einzelfall natürlich keine Strafverfolgung gibt.


Hallo!

Wäre es möglich an dieser Stelle einmal einen Scan oder Link auf den entsprechenden Abschnitt der AGb´s der Post hinsichtlich der Verwendung ungestempelter Marken ohne Gummierung einzustellen?

Zumindest in der Praxis scheint die Handhabung "vor Ort" (und hier speziell bei den Postagenturen) von der erfolgten Darstellung einer umzulässigen Verwendung abzuweichen. Dies mag vermutlich in der Unkenntnis existierender Bestimmungen begründet sein.

Mir wurde grade dieser Tage in einer Postagentur wieder(!) einmal erklärt, daß die Verwendung ungestempelter Marken auf Auschnitten, welche erneut aufgeklebt werden, unzulässig sei. Das Verwenden abgelöster Marken die mit Fremdkleber direkt wieder auf dem neu aufzuliefernden Poststück befestigt werden hingegen aber nicht...

Mit besten Grüßen aus Hamburg!

Claus Petry
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon Cicero » Montag 2. Februar 2015, 11:10

Hallo,

vielleicht erklärt dieser Beitrag bereits einiges:

http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... arken.html

Fazit: Umkleben = Postbetrug

Gruß

Cicero
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon Claus Petry » Montag 2. Februar 2015, 20:22

... Kleinere Mengen kann man sich übrigens bei jeder Filiale erstatten lassen. ...


Hallo Cicero,

besten Dankfür den Link. So ganz glasklare rechtsrelevante Aussagen werden in diesem Artikel ja nicht gemacht.
Auch die Information man könne sich kleinere Mengen nicht verwendeter Marken direkt umtauschen lassen (s. o.) wurden in meinem Fall in der Vergangenheit abschlägig beschieden (wohlgemerkt auf vollständigen, nie beförderten Umschlägen!).

Im Gegenteil wurde mir zuletzt erklärt ich solle die Marke ablösen und einfach wieder mit Klebstoff neu befestigen (!) und alles wäre in Ordnung!

Offensichtlich gibt es hier wirklich ein Informationsdefizit!

Beste Grüße aus Hamburg!

Claus Petry
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon zackenbaer » Montag 2. Februar 2015, 22:14

Claus Petry hat geschrieben:Offensichtlich gibt es hier wirklich ein Informationsdefizit!


Das sehe ich nicht so. Wer sich bei Google mal umsieht, stößt schnell auf sehr eindeutige Hinweise, dass es sich bei der Verwendung bereits gebrauchter Briefmarken um eine Straftat nach §263 StGB handelt.

Das meint Ebay dazu:
http://www.ebay.de/gds/Verkauf-abgeloes ... 073/g.html

Das meint die DPAG dazu (relevante Passagen blau markiert)
AGB BRIEF NATIONAL_12052014_Seite_1.jpg

AGB BRIEF NATIONAL_12052014-1_Seite_2.jpg


Das meint der BDPH dazu:
http://www.bdph.de/forum/archive/index. ... a34a6e9385
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon Redaktion » Montag 2. Februar 2015, 22:27

Natürlich hat die Redaktion von Bund-Forum im Rahmen der Causa Schwanke bei der DPAG nachgefragt und durch die Pressestelle folgende Antwort erhalten, deren relevante Inhalte wir hier veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr xxx,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihre Hinweise.

Das Thema „Wiederverwendung von bereits genutzten Briefmarken“ ist uns bekannt. Die Deutsche Post arbeitet deshalb ständig daran, die betrieblichen und technischen Maßnahmen zur Entwertung der Briefmarken zu optimieren.

Eine Wiederverwendung von Briefmarken kann je nach Sachlage für den Verwender, aber auch für dessen Lieferanten zivil- und strafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Wir beobachten derartige Fallkonstellationen sehr genau und treffen dann individuelle Maßnahmen.

Wir werden Ihre Hinweise ebenso detailliert überprüfen und die aus unserer Sicht notwendigen Schritte einleiten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Einzelheiten zu derartigen Maßnahmen als Unternehmensgeheimnis behandeln und daher nicht kommunizieren. Wir möchten damit auch verhindern, dass sich Detailinformationen hierzu verbreiten und damit kriminellen Elementen ermöglicht wird, weitere Geschäfte dieser Art zu betreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Edenhofer
Pressesprecher
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Re: Schwanke in Postbetrug der "Portomafia" verwickelt ?

Beitragvon T22 » Freitag 6. Februar 2015, 20:54

@Redmodmin

Bitte haltet uns auf dem Laufenden, wenn ihr dazu was neues erfahrt ;)
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