Wider besseren Wissens ...

"Die Meinung vom Chef"
Forumsregeln
Beiträge in diesem Forum sind nicht kommentierbar. Wir freuen uns über Ihr Feedback unter redaktion@bund-forum.de

Wider besseren Wissens ...

Beitragvon Norbert » Donnerstag 5. April 2018, 14:36

Wider besseren Wissens …
München, 05.04.2018 (NG)

Es gibt Tage, da wäre man wirklich besser im Bett geblieben. Insbesondere dann, wenn man am frühen Morgen das APHV-Magazin in seiner E-Mail findet und von Freunden und Bekannten prompt darauf angesprochen wird, “ob man denn gedenkt den Artikel von Wolfgang Maassen einfach so stehen zu lassen“.

Nein, das machen wir natürlich nicht. Und zwar ganz einfach deswegen, weil Inhalt und Duktus der Beiträge Maassens, soweit von den tatsächlichen Ereignissen entfernt sind, dass man der Öffentlichkeit eine Stellungnahme hierzu einfach schuldet, wenn man den eigenen Ansprüchen und Zielen noch gerecht werden möchte.

Starten wir mit dem sogenannten „Editorial“ auf Seite 1, in dem Maassen unter der Überschrift „Profilierung oder eine Werbung für die Philatelie?“ dem Leser eine Frage stellt, die an den Ereignissen im Postarchiv in Bonn komplett vorbei geht.

Natürlich sind der spektakuläre Diebstahl und die Berichterstattung hierüber weder eine Werbung für die Philatelie, noch ein Anlass für eine persönliche Profilierung. Meine ganz persönliche Gefühlslage bewegt sich hier irgendwo zwischen „fassungslosem Entsetzen“ und „ohnmächtiger Wut“.

Die Überschrift des Editorials ist daher genauso sinnentleert wie der weitere Inhalt des Artikels. So wundert sich Maassen doch tatsächlich „erschreckt“ darüber, dass es Menschen gibt, die ihre ganz persönliche Meinung zu diesem emotionalen Kriminalfall öffentlich kundtun. Auch wenn ich einige Spitzen persönlich nicht teile, habe ich für die Summe der Kommentare volles Verständnis.

Es ist erfrischend zu beobachten, dass es selbst 2018 noch Philatelisten gibt, die sich den Luxus einer eigenen Meinung leisten und - statt betreten mit der Menge zu schweigen - ihrem Ärger über das Geschehene Luft verschaffen.

Dass Maassen dabei versucht den Begriff des „seriösen Journalismus“ zum eigenen Nutzen umzudeuten, zeugt von einem eigenwilligen Selbstverständnis. So schreibt Maassen doch tatsächlich:

„Seriöser Journalismus geht anders: Nämlich ohne Vorverurteilung und Bewertung vorliegender Fakten“.


Da muss man erst mal ganz tief Luft holen, um diese Aussage zu verdauen, zumal Maassen tatsächlich alle Fakten im Detail vorliegen und er wider besseren Wissens argumentiert.

Dass ein Journalist einen Verdächtigen nicht grundlos vorzuverurteilen hat, ist völlig unstrittig. Deswegen verwendet die Presse regelmäßig Formulierungen wie „der mutmaßlich Tatverdächtige“ oder „der mutmaßliche Täter“, selbst in Fällen, in denen der Mörder vor dem niedergestreckten Opfer steht und die rauchende Tatwaffe in der Hand hält. Soweit ich das überblicken kann, wurde diese Vorgabe aber von allen Beitragschreibern eingehalten.

Dass ein Journalist vorliegende Fakten aber nicht „bewerten“ und darüber „berichten“ darf, veranlasst mich zu der Frage, was er denn sonst tun soll, als das was aus gesicherter Quelle bekannt geworden ist, professionell zu „bewerten“ und zu „berichten“?

Diese elementare Erkenntnis journalistischem Seins, ist meiner Ansicht nach nicht verhandelbar.

Journalisten, die nur noch über Urteile berichten dürfen, statt investigativ zu recherchieren und unbequeme Wahrheiten an die Öffentlichkeit zu bringen, hat man in früheren Epochen der deutschen Geschichte, an die man sich unwillkürlich erinnert fühlt, im Übrigen „Berichterstatter“ genannt.

Und um in dem post-faktischen Argumentationsmuster von Maassen zu bleiben, ist es dann natürlich nur folgerichtig, wenn er betont, dass es für die Philatelie schädlich sei, wenn Zeitungen und Philatelie-Foren von Dritten Material zur Verfügung gestellt bekommen. In Maassens Kosmos ist die philatelistische Öffentlichkeit offensichtlich nicht bereit für die (ernüchternde) Wahrheit.

Dies zeigt sich auch in der Meldung ab Seite 13 des APHV-Magazins.

Wieso wird die Überschrift „Diebstahl im Bonner Archiv für Philatelie?“ mit einem Fragezeichen versehen, obwohl es völlig unstrittig ist, dass es tatsächlich einen Diebstahl gegeben hat? Man muss den Rest dieses Artikels daher nicht weiter kommentieren.

Es wird Zeit sich dieser Denkschule entgegen zu stellen!


---
Quelle APHV-Magazin März April 2018 Seite 1.jpg
(278.34 KiB) 653-mal heruntergeladen


Quelle APHV-Magazin März April 2018 Seite 12 13.jpg
(2.72 MiB) 639-mal heruntergeladen


Quelle APHV-Magazin März April Seite 14.jpg
(354.06 KiB) 633-mal heruntergeladen
Benutzeravatar
Norbert
Forenbetreiber
 
Beiträge: 2680
Registriert: Dienstag 10. Januar 2012, 09:26

Zurück zu Norberts Kolumne

cron