Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Diskussion und Austausch über aktuelle philatelistische Themen
Forumsregeln
Aussagen die von einzelnen Usern des Bund-Forums getroffen wurden, stellen nicht die Meinung des Forums, seiner Repräsentanten oder seines Betreibers dar. Wir haften nicht für die Inhalte der Beiträge unserer User. Bitte kontaktiert uns bei Fragen, Beanstandungen oder Hinweisen unter redaktion@bund-forum.de.

Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon TeeKay » Freitag 1. Dezember 2017, 11:14

Ich kaufte schon 2001-2002 diverseste Bund ** Sammlungen bei eBay auf, um die Marken anschließend gegen Euro-Nominale zu tauschen. Schon damals fiel mir auf, dass praktisch keine als ** angebotene Sammlung wirklich ** war. Fast alle Marken hatten irgendwelche Macken. Angefangen von Fingerabdrücken über schlechte Zähnung bis hin zu Anhaftungen der Gummierung im Album.

Gestern kam nach langer Zeit wieder mal eine doppelt postfrisch gesammelte Kollektion Bund von 1991 bis 2016 rein. Und wieder ist so gut wie keine Marke fehlerfrei. Nach 2001 wandert eh alles als Frankaturware auf den Postausgang. Und fast alle Marken vor 2001 kann ich zum Briefeverschließen hinten auf der Klappe verkleben. Selbst damals teuerste Marken wie 550Pf Sehenswürdigkeiten wurden mit Fingerabdrücken ins Album gesteckt.

Was dachten sich die Sammler dabei, als sie das taten? Was dachten die sich 2002/2003, als es an den Umtausch ging und diese Fingerabdruckmarken im Album blieben? Hatten die Sammler wirklich gedacht, dass ihre Marken in der Qualität nach Ende des Umtauchs noch irgendeinen Wert haben werden? Meiner Erinnerung nach wurde ich mit meinen Beobachtungen damals sogar in der philatelie zitiert. Danach hätte also jeder mal kritisch seine Sammlung unter die Lupe nehmen und noch schnell die Fingerabdruck-Pseudo-**-Marken umtauschen können.

Künftig gehen also Briefe raus, auf denen vorn 70 Cent und hinten abgelaufene 350 Cent kleben... Was für eine Verschwendung.

Da ich meistens nicht explizit Frankaturware kaufte, sondern ** Sammlungen, gehe ich von einem guten Querschnitt aus dem in Deutschland liegenden Bestand an ** Sammlungen aus. D.h. aber auch, dass echt postfrische Qualität selbst bei modernen Marken eher seltener ist und sich preislich früher oder später vom aktuellen Ramsch-Preisniveau abheben wird.
TeeKay
User
 
Beiträge: 8
Registriert: Dienstag 28. November 2017, 20:54

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon Hammer » Freitag 1. Dezember 2017, 15:31

Ich kann deine Beobachtung bestätigen. Viele ** Bund-Marken sind nicht mehr wirklich postfrisch. Es sind leider die meisten Sammler, die nur geringe Qualitätsanforderungen an ihre Marken legen.
Zu dem von dir geschilderten Problem kommt noch das Floureszenz-Thema. Viele Bund-Marken wurden in Plastikfolien gelagert, die die Floureszenz der Marken teils erheblich beschädigt haben. Nehme mal deine Floureszenzleuchte und sieh dir deine Marken mal an, Überraschung garantiert :o :shock:

Dennoch gibt es postfrisch wohl mehr als genug von Bund und sehe daher preislich auch kein Potential.
Mit philatelistischen Grüßen aus Hamm,
Christoph Schmidt
Benutzeravatar
Hammer
Erfahrener User
 
Beiträge: 118
Registriert: Mittwoch 20. Juli 2016, 14:00
Wohnort: Hamm/NRW

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon MarkusZech » Freitag 1. Dezember 2017, 19:25

Bei Auflagen von 30 Mio. und mehr müssten schon mindestens 95% der Marken kaputtgehen, um bei den geschätzt 0,5 Mio. Bundsammlern zu einer Verknappung und damit zu höheren Preisen zu führen. Das werden wir alle wohl nicht mehr erleben.
Es ist mir shiceegal, wer dein Vater ist. Solange ich hier angle, wird nicht übers Wasser gelaufen.
Benutzeravatar
MarkusZech
Erfahrener User
 
Beiträge: 466
Registriert: Montag 1. April 2013, 16:55

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon TeeKay » Freitag 1. Dezember 2017, 21:11

Die 95% halte ich aber für sehr gut möglich. Das meiste wird im Laufe der Zeit eh als Frankaturware versemmelt. Davon wird der allergrößte Teil vom freundlichen Briefzentrum endgültig entwertet. Der Rest liegt als ** im Album, ist aber nach meiner Erfahrung in der Regel nicht **. Nicht bei den 500.000 Sammlern und auch nicht bei den Händlern. Ja nicht einmal in den von der Versandstelle bezogenen und nie geöffneten Jahrbüchern.

Die Frage ist nur, wann es genügend Sammler gibt, bei denen ** mehr bedeutet als "nicht gestempelt und Gummifragmente hinten drauf". Solange der Mehrheit dicke Fingerabdrücke + Gummierung genügen, gibts natürlich keine Nachfrage nach echtem **:)
TeeKay
User
 
Beiträge: 8
Registriert: Dienstag 28. November 2017, 20:54

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon Oberndörfer » Samstag 9. Dezember 2017, 13:41

Bei Bund kannst du auf den "Sankt-Nimmerleinstag" warten, bis hier postfrisch wirklich was knapp wird. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: DM Nominale ist praktisch von allen Hauptnummern mehr wie ausreichend vorhanden. Und ich rede jetzt nur von wirklich einwandfreien postfrischen Marken.
Benutzeravatar
Oberndörfer
Erfahrener User
 
Beiträge: 252
Registriert: Samstag 27. Mai 2017, 14:56
Wohnort: Oberndorf (wo sonst?)

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon TeeKay » Montag 11. Dezember 2017, 15:15

Behaupten tun das viele - nur gesehen hab ich diese perfekt einwandfreie Ware bislang nur selten. Es dachten auch ewig und drei Tage die meisten, es gäbe genug einwandfrei gestempelte Ware. Hatte schließlich jeder zu 100er-Bündeln im Schrank. Aber angeboten werden Marken mit zentrischem, zeitgerechtem, glasklarem Filial-Tagesstempel selten.

Meine nächste These: Signierte ** Marken werden in Zukunft mit schmerzhaften Abschlägen gegenüber unsignierten, attestierten Marken gehandelt. Wenn ein Fingerabdruck den Status als ** vernichtet, dann tut es ein Stempel erst recht. Die Signatur ist der Falz der Moderne.
TeeKay
User
 
Beiträge: 8
Registriert: Dienstag 28. November 2017, 20:54

Re: Gibt es überhaupt echt ** moderne Bund-Sammlungen?

Beitragvon Hammer » Montag 11. Dezember 2017, 16:37

TeeKay hat geschrieben:Meine nächste These: Signierte ** Marken werden in Zukunft mit schmerzhaften Abschlägen gegenüber unsignierten, attestierten Marken gehandelt. Wenn ein Fingerabdruck den Status als ** vernichtet, dann tut es ein Stempel erst recht. Die Signatur ist der Falz der Moderne.


Dieser These stimme ich auch nur eingeschränkt zu. Man sollte hier differenzieren.
Bei Sammelgebieten in denen es noch massig unsigniertes Material gibt (wie Bund/Berlin/DDR z.B.), sind die Preise für **/signiert tatsächlich bereits jetzt auf Talfahrt. Hier hast du zu 100% Recht.

Manchmal gibt es aber kein unsigniertes Material mehr, dann sieht das natürlich anders aus. Ich denke da an Altdeutschland, Deutsches Reich Brustschilde, Sudetenland, teure Inflawerte.
Mit philatelistischen Grüßen aus Hamm,
Christoph Schmidt
Benutzeravatar
Hammer
Erfahrener User
 
Beiträge: 118
Registriert: Mittwoch 20. Juli 2016, 14:00
Wohnort: Hamm/NRW


Zurück zu Phila-Talk

cron