Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

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Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Redaktion » Mittwoch 14. März 2018, 21:43

Millionen-Diebstahl im Bonner Postmuseum
München, 14.03.2018 (NG)

Im Bonner „Archiv für Philatelie“ der Museumsstiftung Post und Telekommunikation hat sich 2017 von der Öffentlichkeit offensichtlich unbemerkt, ein aufsehenerregender Diebstahl ereignet.

Bei dem mutmaßlichen Tatverdächtigen Dr. Claus D. Sommerfeld, dem ehemaligen Leiter der ARGE Bezirksstempelaufdrucke, wurden im Rahmen einer Hausdurchsuchung durch die Staatsanwaltschaft Bonn ein Großteil der unterschlagenen Briefmarken sichergestellt.

Dr. Sommerfeld, der im Herbst 2016 mit der Registrierung von Beständen ehemaliger Bestände der DDR-Post im Archivbereich beauftragt wurde, nutzte seine Position offensichtlich dazu, erhebliche Mengen an hochpreisigen Stücken des Sammelgebietes Bezirksstempelaufdrucke in die eigene Tasche umzuleiten.
Prüfer des BPP schöpften Verdacht, nachdem in den ersten Monaten des Jahres 2017 größere Mengen an unsignierten „Bezirksstempelaufdrucken“ von Dr. Sommerfeld zur Prüfung vorgelegt wurden.

Dem Archiv für Philatelie wurden diese Verdachtsmomente bereits am 10. Mai 2017 mitgeteilt. Wieso der mutmaßliche Täter seinen Beutezug dennoch bis November 2017 fortsetzen konnte, wird Gegenstand der weiteren Ermittlungen sein.

Der Schaden beträgt nach einer ersten Bestandsaufnahme, die durch Experten des BPP durchgeführt wurde, zwischen zwei und vier Millionen Euro.

Nach uns vorliegenden, jedoch nicht bestätigten Informationen, wurde Dr. Sommerfeld nach der Zahlung einer Kaution vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Der Tatverdächtige bestreitet dieses Detail.

Die Staatsanwaltschaft Bonn bearbeitet den Fall unter Aktenzeichen Az 661 Js 688/17.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Kontrollratjunkie » Mittwoch 14. März 2018, 21:55

Das ist ja ein unglaublicher Vorgang. Wenn bei diesem Handeln tatsächlich ein Schaden zwischen zwei und vier Millionen Euro entstanden ist, handelt es sich offenbar um eines der mutmaßlich größten kriminellen Aktionen der deutschen Philateliegeschichte. Und das von einem weithin bekannten Philatelisten, der sich als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft präsentiert hat. Ich bin erschüttert !
Und sehr interessant finde ich auch die Tatsache, dass so ein Ereignis erst ein gutes halbes Jahr nach dem Bekanntwerden an die Öffentlichkeit gerät. Ist der Grund für dieses lange "Stillhalten", ja Verschweigen bekannt ?
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Cicero » Mittwoch 14. März 2018, 22:06

Auch interessant, dass es zum Sachverhalt vor einigen Tagen im BDPH-Forum eine "Anfrage" gab:
http://www.bdph.de/forum/showthread.php ... Postmuseum
Niemand dort konnte jedoch substantielles dazu sagen und führende Mitglieder des BPPH haben
sich erst gar nicht zu Wort gemeldet.

Insgesamt ein mehr als kurioser Fall. :shock:
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Mittwoch 14. März 2018, 22:30

Tja, Gelegenheit macht Diebe, würde ich mal sagen.
In der SBZ gab es ja unzählige Postorte mit Handstempelaufdrucken. Auch wenn nur übergeordnete Postämter Bogen zur Archivierung abgeben mussten, müssten sich aus den Beständen der ehemaligen DDR enorme Mengen an Marken in diesem Archiv befunden haben.
Das Herr Sommerfeld damit bei den Prüfern auffällt, dürfte keinen wundern. Dumm gelaufen.
Cicero führt es schon richtig aus. Der BPP hat es aufgedeckt, der BDPh, zu dem der BPP zwangsläufig gehören muss, gedeckt. Warum haben sich unsere Philateliegranden aus Bonn, vor deren Haustür es ja passiert ist, bis heute nicht geäussert?
Unschuldsvermutung? Der Sachverhalt scheint ja ziemlich geklärt zu sein. Es gibt ein Verfahren und eine Kaution. So etwas ist für die Philateliewelt viel zu wichtig, um es unter dem Deckel zu halten.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Ron Alexander » Mittwoch 14. März 2018, 23:10

An anderer Stelle schon erwähnt aber da klappt einem schon die Kinnlade runter... :o

Was mir da doch etwas Angst macht, gab es da vl. noch mehr was weggeschafft wurde? Gerade die Bestände, die dort schlummern sind für die Forschung ja wirklich sehr wichtig. Finde es traurig, wenn ein Philatelist so agiert. Es sollte doch im interesser aller sein, das Material zu erhalten und vor allem Zugänglich für die Forschung zu halten.... :(

Grüße,
Ron
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Donnerstag 15. März 2018, 00:22

@Ron Alexander
Ich glaube es nicht, das er noch mehr weggeschafft hat. Dazu hätte er ja einen Lastwagen gebraucht. Jeden Tag - fröhlich pfeifend - halt ein bisschen. Was er da zerstört hat, möchte ich nicht wissen. Der Schaden muss ja auch irgendwoher kommen.

Interessant, wie internetaffin unsere Briefmarkenfreunde sind. Auf der HP der Bezirksstempeler ist er immer noch mit Bild als Vorsitzender mit dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit geführt.
In ihrem internen, doch öffentlichen, Rundbrief wird er wohl schon abgekanzelt. Da fragt man sich, wo Prioritäten sind.
Was ist denn wichtiger, frage ich mich da? Echte Öffentlichkeitsarbeit oder verkrustete Strukturen?
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon DRSammler » Donnerstag 15. März 2018, 10:11

Ron Alexander hat geschrieben:An anderer Stelle schon erwähnt aber da klappt einem schon die Kinnlade runter...


Geht mir genauso ... man ist einfach nur sprachlos, vollkommen sprachlos.
Ich kenne den Verdächtigen persönlich, ich kenne auch den Newsletter der ARGE, die von "einer erdrückenden Beweislast" spricht. Was soll man da noch sagen? Was treibt Menschen an, so etwas zu tun ... ?
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Vertuschung?

Beitragvon thomas » Donnerstag 15. März 2018, 10:42

Da passiert der größte Diebstahl in der deutschen Postgeschichte ( :shock: ) und die philatelistische Systempresse schweigt.

Das bringt mich zu meiner Frage; wissen die nichts, was wirklich schlimm wäre, oder sind DBZ, Briefmarkenspiegel & Co Teil eines Schweigekartells? Oder anders; wieso ist ein Internetforum offenbar besser informiert, wie alle anderen Schreiberlinge zusammen?

Daß Dr. Sommerfeld mit den "Maasens" und "Berndts" der Szene gut befreundet ist, kann/konnte man auf jeder relevanten Veranstaltung im Rheinischen beobachten. Auch mit Dr. Hahn dem Archivleiter in Bonn ist/war Dr. Sommerfeld bestens vernetzt. Ich erinnnere da an das Symposium des Consilium Philatelicum im August 2016 in Bonn. Offensichtlich wurde dort die Strippen gezogen, die die Tat im Nachgang ermöglicht hat. Dass die Medien von alledem nichts gewusst haben, ist also ziemlich abwegig.

Da dass Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft aus 2017 stammt, die Sache köchelt dort also schon gut ein halbes Jahr, liegt mir der Verdacht daher nahe, dass dieser Diebstahl vertuscht weden sollte oder gibt es noch einen anderen Grund, wieso man das "philatelistische Fußvolk" nicht informiert?
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Oberndörfer » Donnerstag 15. März 2018, 11:24

Wie kann den so ein Diebstahl überhaupt passieren? Gibt es da keine Sicherheitseinrichtungen wie Tresore, Videoüberwachung oder Securitypersonal? Es kann doch nicht sein, daß sich da jemand über Monate die Taschen füllt und unbemerkt damit durchkommt? Was ist denn das für ein Museum???
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Inflaspezi » Donnerstag 15. März 2018, 15:17

Das ist mal eine Nachricht die man erstmal verdauen muß. Mir fehlt da immer noch der Glaube :roll: :o

Wie geht das? Wie kann jemand das Postarchiv über so einen langen Zeitraum und in dieser Menge beklauen, ohne das das jemand auffällt? Tag der offenen Tür?
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon ZD-Fan » Donnerstag 15. März 2018, 16:42

Nur falls es jemand interessieren sollte: Die Philaseiten haben gestern Abend gegen 10 den identischen Beitrag von Marc 1:1 auf ihrer Seite ohne Quellennachweis online gestellt. Heute Morgen war der Beitrag aber wieder weg :?:
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon zackenbaer » Donnerstag 15. März 2018, 17:22

Diese Diebstahl, oder ist es eine Unterschlagung (?), wird nachdem sich der Rauch gelegt hat, Fragen nach der finalen Verantwortung aufwerfen. Mit der angemessenen Aufsicht und Kontrolle wäre das sicher nicht passiert. Und wenn der Schaden so hoch ist, wie geschrieben, wird irgendjemand dafür Verantwortung übernehmen müssen.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Horst » Donnerstag 15. März 2018, 18:02

Das Thema hat mittlerweile auch Herrn Wolfgang Maasen erreicht, der im BDPH-Forum als "woma" schreibt.
http://www.bdph.de/forum/showthread.php ... seum/page2
Wieso sich Herr Maasen allerdings in seinem Beitrag gegen nirgendwo geäußerte Vorwürfe verteidigt, verstehe ich nicht. Hat er doch überhaupt nicht nötig. Auch ist mir unklar, wieso er eine Freundschaft mit Herrn Berndt als "Rufmord" bezeichnet. So schlimm ist Herr Berndt doch gar nicht, wenn man sich an seine etwas eigenwillige Art erstmal gewöhnt hat? Und zum Schluß seines Beitrages übt sich Herr Maasen noch in praktiziertem Täterschutz. Man darf über Straftaten offenbar auch dann nicht schreiben, wenn die Tatwaffe beim mutmaßlichen Täter gefunden wurde. Schuld an allem ist jetzt das Bund-Forum. Zumindest impliziert das das Statement von Herrn Maasen. Irgendwie komplett verdreht diese Ansicht. Was bei Herrn Maasen sein Artikel allerdings völlig fehlt, ist eine Würdigung der Fakten, wie der Hausdurchsuchung, der Beschlagnahme von Beweismaterial, etc.
Aber vielleicht ist das wie in der Politik. Da bewegen wir uns mittlerweile ja auch in einem post-faktischen Zeitalter.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Donnerstag 15. März 2018, 18:26

Herr Maassen liegt da m. E. nicht ganz richtig. Wieso sollte nicht über Prozesse berichtet werden, wenn das öffentliche Interesse da ist? Sergej W. und Beate Z. würden sich sicherlich auch freuen, wenn über ihre Prozesse der journalistische Mantel des Schweigens gelegt würde. Beide sind meines Wissens nach auch noch nicht verurteilt worden, also gilt wohl für beide auch die Unschuldsvermutung im Maasschen Sinne.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon th1975 » Donnerstag 15. März 2018, 18:46

http://www.bdph.de/forum/showthread.php ... seum/page2

Da bekomme ich richtig Gänsehaut. Was Wolfgang Maassen hier fordert, ist nichts anderes wie das Verbot jeglicher Form von investigativem Journalismus. Pressefreiheit adé. Geopfert auf dem Altar der "politisch korrekten Gleichschaltung". Maassen hat mit dieser Ansicht leider schon einige Anhänger gewonnen. In der philatelistischen Presse liest man schon lange nichts mehr wirklich Investigatives mehr. Vielleicht auch ein Grund für Formate wie dieses hier.

Wenn dem in Deutschland überall so wäre, wie sich das Maassen vorstellt, würde so manches Print- oder Onlinemedium künftig ziemlich schmal daher kommen.

Ich finde die Meldung der Redaktion sachlich und auf den Punkt. Mutmaßlich hat da ein Insider sein Herz ausgeschüttet. Nachdem die ARGE ihren Newsletter lanciert hat und es seit 12.3.2018 erste Hinweise im BDPH-Forum gab, war das Eis ohnehin gebrochen.
Wer mein ganz neues Logo auch so cool findet wie ich, kopiert es einfach raus, nutzt es selber und teilt es weiter
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon DDR-Sammler » Donnerstag 15. März 2018, 19:14

Über Schuld, Nicht-Schuld und Verantwortung Einzelner oder Mehrerer sollen die Gerichte urteilen. Die Diskussion hierüber führt zu keinem Ergebnis.

Bei einer geschätzten Schadensumme von 2 bis 4 Millionen scheint im Archiv jedenfalls einiges passiert zu sein. Wie soll ich mir das jetzt genau vorstellen? Wurde diese Wertsumme komplett entwendet, oder wurde durch das Entwenden (z.B. Zertrennen von Bogenware) etwa ein noch größerer Schaden erzeugt? Angesichts dieser Schätze die da im Archiv schlummern, laufen da gruselige Bilder in meinem Kopfkino ... :o :shock:

Und noch eine Frage die mich bewegt. Wer ist denn eigentlich der Eigentümer (und damit der Geschädigte) dieser ganzen Bestände die in diesem Archiv lagern? Ich konnte auf der Internetseite des Archivs keinen Hinweis finden.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Donnerstag 15. März 2018, 19:29

DDR-Sammler hat geschrieben:Wer ist denn eigentlich der Eigentümer (und damit der Geschädigte) dieser ganzen Bestände die in diesem Archiv lagern? Ich konnte auf der Internetseite des Archivs keinen Hinweis finden.


Es handelt sich um die Bestände folgender ehemaliger Institutionen: Reichspost, Bundespost, Post der DDR. Nach Privatisierung der Bundespost wurden die Bestände in eine Stiftung überführt. Träger der Stiftung sind Post AG und Telekom. Die Stiftung selbst ist eine bundesunmittelbare Stiftung öffentlichen Rechts. Damit sind die Marken wohl weiterhin Bundeseigentum. Sie gehören unter anderem damit dir und mir..... :D
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon zackenbaer » Donnerstag 15. März 2018, 19:31

Jetzt fange ich mir an mir aber wirklich Sorgen zu machen. Herr Maassen mag zwar keine Spekulationen, beteiligt sich aber dennoch munter an ihnen.

Wolfgang Maasen im Forum des BDPh hat geschrieben:Auch für die Mitarbeiter und Dr. Hahn dürfte all dies keine erfreuliche Phase ihres Lebens sein.


Was haben den jetzt Dr. Hahn und seine Mitarbeiter mit dem Fall zu tun? Hängen die etwa mit drin? Es ist doch offensichtlich, dass Herr Maassen sehr viel mehr weiß.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Donnerstag 15. März 2018, 19:46

Eine mögliche Antwort gibt dir der Eingangstext:

Dem Archiv für Philatelie wurden diese Verdachtsmomente bereits am 10. Mai 2017 mitgeteilt. Wieso der mutmaßliche Täter seinen Beutezug dennoch bis November 2017 fortsetzen konnte, wird Gegenstand der weiteren Ermittlungen sein.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Plattenfehler » Freitag 16. März 2018, 11:16

Philatelie ist eigentlich ein sehr schönes Hobby, das mir zur Entspannung und Muse dient. Was ich hier jetzt aber gelesen habe zeigt mir, dass Philatelie auch eine böse, eine finstere Fratze besitzt, die in den Abgrund menschlichen Seins führt.

Ich bin sehr traurig über die Geschehnisse, die hier und an anderer Stelle langsam Kontur annehmen. Sobald aus Verdacht und Mutmaßung, Wissen und Fakten geworden sind, hat die organisierte Philatelie einiges aufzuarbeiten.

Superlative wurden ja bereits von anderen Nutzern bemüht, aber das was in Bonn offenbar passiert ist, ist gleichzusetzen mit der "Stunde Null". Möglicherweise ist diese bittere Erkenntnis auch der Grund für das lärmende Schweigen der Verbände in dieser Angelegenheit.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon MarkusZech » Freitag 16. März 2018, 16:08

"Philatelie-Deutschland" trägt Trauer.

Mein tiefes Mitgefühl gilt den zerstörten unersetzbaren philatelistischen Schätzen, die einen wichtigen Teil der wechselvollen Geschichte Deutschlands dargestellt haben.

Mein Mitgefühl gilt explizit nicht dem mutmaßlichen Täter und möglichen Helfershelfern. Für das Relativieren und Schönreden von Straftaten habe ich nämlich keinerlei Verständnis.
Es ist mir shiceegal, wer dein Vater ist. Solange ich hier angle, wird nicht übers Wasser gelaufen.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Freitag 16. März 2018, 17:50

In anderen Foren wird ja an der Rechtmäßigkeit bzw. Sinnhaftigkeit unserer Veröffentlichungen gezweifelt
("...ganz dünnes Eis..", "....In der jetzigen Phase, in der die Staatsanwaltschaft keinerlei Auskunft gibt, eine schriftliche Stellungnahme nicht zu erhalten ist....","....Generell ist es unklug für alle Beteiligten, während laufender Verfahren, öffentliche Stellungnahmen abzugeben.", "...Sudelede...", "Aber ich wäre etwas vorsichtig mit dem Verbreiten solcher Nachrichten. Vor allem dann, wenn namentlich Personen genannt werden. Wer hat diese Meldung verfasst? Auf welcher Grundlage? Eine normale "Polizei- oder Staatsanwaltschaftsmeldung" ist es sicherlich nicht, denn dann würden keine Namen genannt, so lange der Beschuldigte nicht rechtskräftig verurteilt ist.").

Natürlich haben wir unsere Informationen durch eine Presse-Anfrage an die Staatsanwaltschaft Bonn erhalten. Staatsanwaltschaften unterhalten Pressestellen, welche grundsätzlich zur Auskunft verpflichtet sind (Art. 5 GG, § 4 Landespressegesetz NRW).
Eine Staatsanwaltschaft hat hinsichtlich der Informationsweitergabe im Einzelfall eine Abwägung vorzunehmen, ob
das öffentliche Informationsinteresse gegenüber dem Geheimhaltungsinteresse des Individuums (allgemeines Persönlichkeitsrecht) überwiegt.
Auch wenn es sich um Otto Normalverbraucher handelt, ist die Informationsweitergabe natürlich dann zulässig, wenn eine Straftat von erheblicher Bedeutung vorliegt und Beweise vorliegen, die für den Wahrheitsgehalt und den Öffentlichkeitswert sprechen.
Da die Staatsanwaltschaft die Informationen an das Bund-Forum weitergereicht hat, ist sie wohl offensichtlich zu dem Schluss gekommen, dass
a) Beweise vorliegen, die für den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen sprechen und
b) ein erhebliches öffentliches Interesse besteht, dass die Allgemeinheit hiervon erfährt.

Schlagwörter wie "Unschuldsvermutung" oder "dünnes Eis" sind natürlich mal schnell in die Welt gesetzt. Man kann damit gut davon ablenken, dass man a) keine Ahnung hat und/oder b) darüber hinaus den Anspruch an guten Journalismus nicht verstanden hat.
Und natürlich gilt die Unschuldsvermutung weiterhin. Die hat aber nichts damit zu tun, dass solche Vorgänge öffentlich gemacht werden und insbesondere werden sollten.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Max und Moritz » Freitag 16. März 2018, 19:49

Noch eine kleine Ergänzung. In den anderen Foren wird teils argumentiert, dass durch die Veröffentlichung die weitere Sachverhaltsaufklärung erschwert, Beteiligte gewarnt oder Unabhängige (Gutachter) beeinflusst werden könnten.

Nach § 4 Abs 2 Nr. 1 Pressegesetz NRW besteht kein Anspruch auf Auskunft, soweit durch sie die sachgemässe Durchführung eines schwebenden Verfahrens vereitelt, erschwert, verzögert oder gefährdet werden kann.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat Auskunft erteilt. Offensichtlich teilt sie die Bedenken einiger philatelistischer Forumsuser nicht.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Kontrollratjunkie » Freitag 16. März 2018, 21:20

Es ist hier ja schon angeklungen, dass man sich im Verbandsforum des BdPh ein "wenig verwundert" über die hiesige Berichterstattung geäußert hat. Und das, obwohl dort ebenfalls auf diesen ungeheuerlichen Vorgang hingewiesen wurde.

Der Nutzer "Thomas2" hat heute um 09.50 Uhr einen Beitrag verfasst, der es m.E. wert ist, erhalten zu bleiben.
Vor allem deshalb, weil der Nutzer offenbar Erkenntnisse darüber erhalten hat, was im Archiv geschehen ist. Es handelt sich danach mutmaßlich nicht nur um einen Diebstahl in erheblichem Ausmaß, sondern um in meinen Augen noch etwas erheblich Entscheidenderes. Offenbar wurden Bogen von Marken mit Bezirkshandstempelaufdrucken zerlegt und filetiert. Das kommt dann einer Schändung, ja Zerstörung von Kulturgut gleich und schmälert den Forschungsbestand von seltenen Ausgaben für alle Zeiten. Das ist m.E. der absolute Wahnsinn und kann nicht scharf genug beurteilt werden !!!!

Hier zur Kenntnis noch der genannte Beitrag:

Liebe Forum-Teilnehmer,

ich habe am 12.3.2018 über den Fall erstmalig hier im Forum geschrieben und damit zwei Tage vor dem Bund-Forum über das jetzt einige hier reflexartig und völlig ohne Sachgrund herfallen. Mir wurde am 12.3. nicht geglaubt, was ich als sehr schade empfand. Mittlerweile hatte ich 4 Tage Zeit mich weiter zu informieren. Die Meldung im Bund-Forum ist inhaltlich richtig. Wichtige Details fehlen mir jedoch. Vielleicht wurden diese aber auch einfach nicht veröffentlicht.

Ich denke jeder hier kennt Herrn Dr. Böheim seines Zeichens renommierter BPP-Prüfer, Experte in Sachen Bezirkshandstempel und über jeden Zweifel der Parteilichkeit erhaben. Herr Dr. Böheim war einer der Vertreter des BPP, die im November 2017 den Schaden im Archiv aufgenommen haben. Böheim bestätigte mir gegenüber, dass die bei Herrn Dr. Sommerfeld Zuhause beschlagnahmten Briefmarken und Bogenteile exakt in die aufgetrennten Bögen und Bogenreste im Archiv passen. Das trifft auch auf die Stücke zu, die von Herrn Sommerfeld bereits den BPP-Prüfern Dr. Kalb und Dr. Böheim vorgelegt wurden. Noch mehr forensischer Beweis geht nun wirklich nicht.

Lieber Herr Maassen, bevor sie hier im Forum die Leser mit einer ins Extreme überzeichneten Unschuldsvermutung irreführen und in offensichtlich unlauterer Weise diejenigen die diesen traurigen Fall aufklären möchten, zu Tätern stilisieren, bitte ich sie inständig sich bei Herrn Dr. Böheim über diese Fakten zu informieren. Ich sage hierfür schon im voraus herzlichen Dank.
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Re: Millionen-Diebstahl im "Bonner Postarchiv"

Beitragvon Oberndörfer » Samstag 17. März 2018, 16:25

Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Ermittlungen wohl mittlerweile durch. Ist es der Redaktion bekannt wann Anklage erhoben wird?
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